| Prophetisch Kochen |
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Dienstag, 6. März 2012
Kisten-Kultur
prophetisch_kochen, 19:04h
![]() Ich habe mal in meinen Machwerken gekramt und einen Text aus dem Jahr 2005 zutage gefördert. "Es gibt Menschen, die gerne aus Kisten und Koffern leben. Sie fühlen sich am wohlsten, wenn alles einen Wald verpackter Erinnerungen für sie bereithält, den es aus Zeitungspapier zu wickeln gilt. So wie ich. Seit Jahren pflege ich die Kisten-Kultur, will heißen: von jedem Umzug bleiben zwei, drei unausgepackte Kisten übrig. Ich befinde mich in der glücklichen Lage, nicht wieder ausgewickelte Erinnerungsstücke aus den Jahren 1970 bis 1999 zu besitzen. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob ich ein Messie bin. Hier die Antwort: Definitiv nicht. Oder wissen Sie, wie groß meine Umzugskisten sind? Wenn Sie sich jetzt einen feuchten Kellerraum vorstellen, der vollgestopft ist mit 1200 auseinander fallenden Behältnissen, haben Sie eine lebhafte Phantasie. Vielleicht bin ich ja ein Zwerg in Liliput, und besitze Kisten in Seifenschachtel-Größe? Ich bewahre meine Kartons jedenfalls an einem nicht für die Öffentlichkeit zugänglichen Platz auf, der in etwa die Größe eines Abstellraums hat. Dort liegen, säuberlich chronologisch geordnet, die Gebrauchsgegenstände, Ansichtskarten und Unterhosen (selbstverständlich gewaschen) längst vergangener Jahrzehnte in Regalen. In Kisten verpackt, beschriftet, zeitungsumhüllt. Darauf bin ich stolz, daran lasse ich mich messen. Denn: Was Menschen nach dem Umzug mit gefüllten Umzugskisten machen, hat in der Regel Methode. Ob Frau Kramer den Karton mit Sammeltassen auspackt und ins Regal/wahlweise in die Vitrine stellt oder in die Abstellkammer verfrachtet, hängt mit ihrer Lebensauffassung und den zum Umzugsgut gehörigen Erlebnissen zusammen. Ist es zum Beispiel nicht so, dass jeder von uns bestimmte Erinnerungen gerne im eingepackten Zustand belässt? Es tut gut, sie durch Lagen von Zeitungspapier und Pappe, in einem Regal liegend, zu betrachten, meinen Sie nicht auch? Nehmen Sie zum Beispiel das frühe Ableben Ihrer Tante Paula vor 15 Jahren. Ihre allererste Beerdigung. Die Frau Mama stützt sich schwer auf Ihren Arm, es hat zwei Tage Monsun geregnet und alles ist glatt und schlüpfrig. Durch den Tränenschleier hindurch können Sie gerade noch dem riesenhaften Buchsbaum ausweichen, der an Sonnentagen die örtliche Industriellen-Familiengruft beschattet. Auf dem Weg zum Grab passiert es…na, Sie wissen schon. Zu unangenehm, die Sache. Zumal die Verwandten später…aber ich schweife ab. Die ruinierte schwarze Seidenkrawatte hat sich, in Ehren ergraut, einen respektablen Platz unter den Pretiosen vergangener Zeiten erkämpft. Und liegt nun vermutlich auch bei Ihnen an einem unzugänglichen Ort, ordentlich verpackt, im Regal." Erst kürzlich habe ich mich von meiner Weihnachtskartensammlung getrennt. Auch ohne Erinnerungen lebt es sich zuweilen gut. ... link (0 Kommentare) ... comment |
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Letzte Aktualisierung: 2012.09.04, 00:46 status
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